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Archive für 7.8.2008

Kasperl und die Eule

Das Theaterstück heißt offiziell:

Das Eulenschloß

von Franz Graf von Pocci
Ein mit unglaublicher Zauberei vermischtes Drama in vier Aufzügen

Ich nenne es der einfacher halben: Kasper und die Eule. Das Kaspertheaterstück entstammt dem famosen Kasperlautor Franz Graf von Pocci der in über 40 Theaterstücken seinem Kasper Larifari Leben einhauchte.

Viel Spaß

So beginnt die Geschichte:

Eine Burgruine im Mondenschein. Der Wind heult. Kauzenveit sitzt in Gestalt einer großen Eule auf Mauertrümmern.


Kasperl(mit Wandersack tritt ein). Uh, Uh! das ist eine schauerliche Nacht. Mich gruselt’s und beutelt’s vor lauter Furcht. Wo bin ich jetzt eigentlich? Mir scheint, der Weg ist mir unter meine Füß davongelaufen; statt in ein Wirtshaus zu kommen, bin ich an dies Nest geraten, wo ei’m die Mauern über’n Buckel zusammenstürzen möchten. Meine Schulden, die mich aus der Stadt vertrieben haben, die hab ich freilich zu Haus g’lassen und nur meinen leeren Ranzen mitgenommen; allein diese Leerheit ist fürchterlich. Meine Taschen leer, mein Magen leer, mein Beutel leer – alles ist leer. Schauerliche Einsamkeit! Was fang ich jetzt an? (Die Eule ächzt und schlägt mit den Flügeln.) Oho! was ist denn da wieder? Was für ein unbekanntes Wesen sitzt dort auf der Mauer? Pfui Teufel! Das ist ein abscheulicher Vogel.

Heda! wenn Sie ein Vogel sind, der sich in der Gegend auskennt, was ich doch vermuten kann, so zeigen Sie mir gefälligst den Weg in einen Gasthof. Aber, freilich, Sie holen sich Ihre Kost woanders.

Eule(in schauerlichem Tone). Kasperl! Kasperl!

Kasperl. Nun, wär’ nicht übel! Wer ruft mich denn da bei meinem Taufnamen?

Eule. Ich bin es! ich bin es.

Kasperl. Ich bin es! ja wo ist denn dieses »Ich«?

Eule(mit den Flügeln schlagend). Ich bin es – ein Unglücklicher!

Kasperl. Ein Vogel, der red’t! Das ist einmal was Neues. (Die Eule schwebt zu Kasperl herab.) Alle guten Geister! (Er fallt um.)

Eule. Fürchte nichts. Stehe auf und höre, was ich dir sage.

Kasperl. Da soll man nicht erschrecken über einen Uhu mit menschlicher Stimme! Das ist ja unerhört.

Eule. Ja, es ist allerdings unerhört, drum höre.

Kasperl. Wenn ich hören soll, so kann es nicht unerhört sein. Aber mir ist’s jetzt schon einerlei, und ich bin gefaßt. Machen Sie nur ihren Schnabel auf.

Eule. Vernimm eine schreckliche Geschichte.

Kasperl. Wenn die schreckliche Guschichte nur nicht zu lang ist; denn ich hab weder Zeit noch Lust eine schreckliche lange G’schicht anzuhören. Wissen Sie was, Herr von Uhu? Erzählen Sie’s dem Publikum, und ich geh derweil hinaus und trink eine Maß Bier.

Eule. Bleibe! Vernimm und staune! Wisse, ich bin ein verzauberter Ritter aus dem Mittelalter.

Und so geht es weiter:

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