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Archive für 28.8.2010
Eigentlich eine Erinnerung an Ulan Bator und Dieter
28.8.2010 von *v*.
AUF DER SUCHE NACH DEN ECHTEN MENSCHEN
“Naturverbundenheit”, nach wie vor existierende traditionelle Lebensformen und ein bisschen buddhistische Verklärung als Zuckerguss - die perfekten Ingredenzien zur Mythologisierung eines “exotischen” Volkes. Ein Forschungsbericht.
In Ulan Bator wohnten wir in einem durchaus netten Guesthouse, das folgende wohlgemeinte Warnung für seine Gäste parat hielt: “Dear guests, if you do not want to be pickpocketted or robbed during daytime on the streets or nearby banks please leave your valuables in your room or free safety box and leave your room key with Zaya.”
Die Warnung vor Taschendieben und anderen kleinkriminellen “Elementen” schien ein grösseres Thema in Ulan Bator zu sein, da ähnliche Vorsichtsmassnahmen auch von anderer Seite mehrmals empfohlen wurde. So weit, so unspektakulär! Mein Interesse wurde erst durch jene Zeilen geweckt, die auf obige Warnung folgten: “Try to be on the streets same like local ordinary people, who are poor in materialistic things, but rich in spiritualism and very proud of history and culture of Mongolia.”
Unabhängig davon, dass es für einen Mitteleuropaeer eher schwierig ist, wie ein Mongole auszusehen und es unwahrscheinlich ist, dass gerade die “gewöhnlichen” Leute besonders spirituell sind oder sich als Hobbyhistoriker oder Gelegenheitskulturattaches betätigen, fand ich den Widerspruch zwischen einer Bevölkerung bestehend aus kleptomanischen Grossstadtmafiosos und gleichzeitiger spiritueller Intellektualität irritierend. Erst zwei Tage später brachte ein nebenbei mitverfolgtes Gespräch der Managerin Zaya mit einem Gast etwas Klarheit. Anscheinend beziehen sich die “gewöhnlichen” Leute eher auf die Menschen am Land, die von Zaya als” real people”, also als “echte” Menschen im Gegensatz zu den degenerierten “unechten” Menschen in der Stadt bezeichnet wurden. Offensichtlich ist es von “unechten” Menschen zu Taschendieben nur ein kurzer Schritt.
Nach Tagen der Dekadenz in Ulan Bator entstand das natürliche Bedürfnis, diese “echten” Menschen samt ihrer Spiritualität in ihrem angestammten Habitat zu entdecken. Zu diesem Zweck bündelten wir unsere finanziellen Kräfte mit einem Engländer und einem Iren, mieteten uns einen russischen Minivan samt Fahrer und Führerin und brachen in die Wüste Gobi auf. Dort erlebten wir gleich die erste grosse Enttäuschung, denn die Wüste Gobi ist weitgehend leer, Menschen an sich echte Mangelware, von “echten” Menschen ganz zu schweigen, denn unser Fahrer, unsere Führerin bzw. all jene Menschen, deren Dienstleistungen wir als Touristen in Anspruch nahmen, jagen ja letztlich dem schnöden Mammon nach, können daher wohl kaum dem Idealtypus eines “echten” Menschen entsprechen.
Nach hunderten von Kilometern auf gehirnerweichenden Rüttelpisten durch endlose Weiten ohne einen einzigen Zaun, durch die blühende Schnittlauchwüste vorbei an furzenden Schaf- und Ziegenherden, durch Canyons gewandert, auf Dünen geklettert, auf unwillige Kamele als hilfloser Passagier aufgeladen und vorbei an Legionen von ausgebleichten Gerippen ehemaliger Veganer, die mit den Ernährungsgewohnheiten nomadisierender Viehzüchter schlecht zu Rande gekommen waren - nach all diesen mongolischen Leckerbissen schien die Zeit reif zu sein, um den “echten” Menschen gegenüber zu treten. Wir waren an diesem Tag schon lange unterwegs gewesen, hatten uns möglicherweise ein klein wenig verfahren, niemand hatte mehr Lust, das Zelt irgendwo im “Nichts” zu plazieren, der Sturm tobte und schwarze Regenwolken trieben zügig auf uns zu, wie angenehm wäre eine schützende, kuschelige Jurte!
Ein Bett wäre gar nicht notwendig, ein Teppich würde völlig ausreichen, getrocknete Fleischteile, hunderte von Fliegen, vergorene Stutenmilch, selbst getrocknetes Joghurt hätten wir ertragen, wenn wir ein im Sturm flatterndes Fetzenzelt mit einer stabilen Jurte eintauschen hätten koennen. Fahrer und Führerin entdeckten zwei Jurten in der Distanz, fuhren vor und blickten in einige skeptische bis feindseelige Augenpaare. “Habt ihr einen Platz zum Schlafen für uns, es ist schon spät und ein Unwetter zieht auf. Eure zweite Jurte sieht doch leer aus.” “Ja, das stimmt schon, aber das ist die Jurte für das Brautpaar für die morgige Hochzeit. Es ist bereits alles hergerichtet. Tut uns wirklich leid.” Na gut, das ist natürlich Pech. Und dem Brautpaar die Jurte zu versauen, das kann man nun wirklich nicht machen. Also fuhren wir weiter, einzelne Jurten sowieso unbrauchbar, wo war die perfekte “Doppeljurte” und die sprichwörtliche mongolische Gastfreundschaft? Nächste Jurte, ähnliches Bild: Mit späten, nicht geladenen Gästen schien man hier wenig Freude zu haben. “Nein, tut uns leid, wir erwarten noch Gäste, sie sollten eigentlich schon längst hier sein.”
Im Reiseführer stand, dass Gastfreundschaft eine “Überlebensnotwendigkeit” in der Mongolei sei, da in Abwesenheit von konventioneller Reiseinfrastruktur die selbstverständliche Aufnahme und Verköstigung in einer Jurte unabdingbar ist. Tja, entweder hatten wir einfach nur Pech gehabt oder keine “echten” Menschen getroffen oder die Jurteninhaber hatten erkannt, dass WIR keine “echten” Menschen sind, möglicherweise sogar Taschendiebe aus der Stadt, somit nicht berechtigt, die selbstverständliche Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen. Somit blieb uns nichts anderes übrig, als unser Zelt im Schutz einer hundert Kilometer entfernten Huegelkette aufzustellen und zu beobachten, wie der Wind kreative Hausformen aus unserem Kuppelzelt fabrizierte, indem er die Zeltstangen einem ernsten Flexibilitätstest unterzog.
Damit bleibt eigentlich nur mehr die Wahl zwischen den Taschendieben aus Ulan Bator und den unfreundlichen Landeiern, die dir die Jurtentür vor der Nase zuknallen, allesamt möglicherweise nicht “echt”, aber zutiefst menschlich.
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Schmetterlinge 2
28.8.2010 von *v*.
Die Art und Weise Videos zu produzieren hat sich weitgehend verändert.
Gott sei Dank, kann man da nur sagen.
Die Musik war vielleicht aber besser; mach dir vielleicht selbst ein Bild, äh Ohr.
http://www.youtube.com/watch?v=iQn_iFYPyvU
*v*
PS: Gerhard hat den Eigentliches Blog neu eingekleidet und mit wordpress 3.0 ausgestattet.
Und ich hab herausgefunden, wie ich Texte, Bilder und Videos selber farblich hinterlegen kann, woraufhin Gerhard mir zur Entdeckung der HTML Farbcodes gratuliert hat
Ich würd den Blog gerne wieder bei Null beginnen, weiß aber nicht, ob das gut ankommt.Mit wär so richtig danach.Gerhard hat die Daten ohnehin gesichert, falls sie jemand haben möchte.
Ich glaub nicht, dass die alten Sachen noch wer liest.
tmp hab ich mal als Ersten vorsichtig gefragt, ob er sich das vorstellen kann, dass ich alles lösche; er hat sich aber nicht gemeldet, weiß nur, dass er schon das dritte Modem hat, das nicht geht.
Vielleicht sollten wir mal eine Tasse Tee trinken, wir versäumen nix.
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